Einige der folgenden Tipps beziehen sich auf meine Erfahrungen in kleineren Städten Perus.In der 8-Millionen-Metropole Lima ist vieles anders, vor allem, da man sich dort als Austauschschüler wahrscheinlich nur in den besseren Gegenden aufhalten wird.
Mentalität
Peruaner sind unpünktlich, spontan, chaotisch, herzlich, gastfreundlich, tanzen und feiern enorm gern. In Peru begrüßen sich Mädchen bzw. Frauen untereinander und Frauen und Männer mit einem Wangenkuss; Männer untereinander geben sich die Hand. Man kann sich selbst eine Menge Stress ersparen, wenn man sich von Anfang an auf die peruanische Unpünktlichkeit einstellt. Generell gilt: In Peru ticken die Uhren im wahrsten Sinne des Wortes anders, das heisst: man erscheint grundsätzlich mindestens eine Viertel- bis halbe Stunde nach der vereinbarten Zeit. Dabei gibt es allerdings auch noch einmal enorme Unterschiede, ob man sich in einer Klein- oder einer Grosstadt befindet. In meiner ersten - sehr kleinen - Stadt gehörte es dazu, daß Veranstaltungen wie Konzerte, Abschlussball, Geburtstagsfeier oder sogar die Silvesterparty mit ein- bis zweieinhalbstündiger Verspätung anfingen. Wenn man sich unter Freunden verabredet, braucht man gar nicht erst zur exakten Zeit zu erscheinen, es ist eh niemand da. Aber Vorsicht! Gastmütter bilden die einzige Ausnahmegruppe und nehmen es mit der Pünktlichkeit beim nächtlichen Nachhausekommen um so genauer ;-)!!
Sicherheit
Man befindet sich in einem Land mit einer hohen Zahl von Menschen, die unter der Armutsgrenze leben. Dass man seinen westlichen Reichtum nicht öffentlich zur Schau trägt, ist wohl selbstverständlich. Das heißt: nicht die Kamera offen herumtragen und auch nicht jeder x-beliebigen Person für ein Foto in die Hand drücken. Nicht unbedingt seinen teuersten Goldschmuck an Ohren, Hals und Fingern spazieren tragen.In Peru ist viel Falschgeld im Umlauf, deshalb sollte man sich zeigen lassen, woran man "Blüten" erkennt und Wechselgeld immer sofort auf die Echtheit prüfen. Vor allem Ausländern wird in Taxen etc. oft Falschgeld zurückgegeben.
Keine Koffer, Rucksäcke, etc. unbeaufsichtigt rumstehen lassen.
Als vermeintlicher Tourist wird man oft von vielen Straßenkindern umlagert. Statt Geld zu geben lieber etwas zu essen kaufen und den Kindern geben!
Spät abends sollte man nicht alleine Taxi fahren. Busse sind sicher, da sie immer gut gefüllt sind. Allerdings fahren Busse nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (in Arequipa war das 21 Uhr), danach bleibt einem nur das Taxi fahren. Am besten mit mehreren Freunden fahren, und sobald man einsteigt die Türen von innen verschließen, dann kann eigentlich nichts passieren.
Abschließend bleibt zu sagen, dass mir persönlich während des ganzen Jahres weder etwas passiert ist noch etwas gestohlen wurde oder sonst irgendwie abhanden kam. Wenn man gewisse Regeln befolgt und vor allem immer die Augen offen hält, sollte das auch nicht anders sein.
Schulen
In Peru gibt es reine Mädchen-, reine Jungen- und eben "gemischte" Schulen für Mädchen und Jungen. Die Mädchenschulen werden oft von Nonnen geleitet, und erscheinen auf den ersten Blick sehr streng. Ich persönlich würde immer eine "gemischte" Schule vorziehen, doch auch wenn man in eine reine Jungen- bzw. Mädchenschule geschickt wird, gilt hier wie immer in Peru: einfach darauf einlassen, es wird in jedem Fall interessant. Sollten größere Probleme auftreten, ist ein Schulwechsel generell möglich. In praktisch allen Schulen ist Schuluniform Pflicht. Als Austauschschüler wird man wahrscheinlich auf eine der besseren Privatschulen geschickt. Da die Anschaffungskosten für eine eigene Uniform sehr hoch sein können (Blazer, Blusen bzw. Hemden, Rock/Hose, Pullover, Krawatte, Strümpfe, Schuhe, etc., außerdem Sport-Uniform) sollte man möglichst zumindest die "Unterrichtsuniform" (d.h. Blazer etc.) leihen, da man sonst ohne weiteres 300 Mark in so ein Set investiert. Geht man dagegen auf eine staatliche oder auf eine verarmte private Schule (wie meine eine war), spricht nichts dagegen, die Einheitsuniform zu kaufen, die dort getragen wird (Kosten für eine Ausstattung: etwa 30 DM). Alle Schulen jedoch, die etwas auf sich halten, werden eine individuelle (sprich=teure) Schuluniform haben.An manchen Schulen wird für Austauschschüler eine Ausnahme von der Uniformpflicht gemacht, das heißt sie sind die einzigen Schüler der Schule, die "normal" gekleidet zur Schule kommen dürfen. Davon rate ich aber dringenst ab; es ist eine sehr interessante Erfahrung, Uniform zu tragen und wichtig zur Eingliederung in die Klassengemeinschaft. Auch sonst sollte man keine Sonderrechte erwarten und an allem teilnehmen (So kam auch ich nicht umhin, bei einem Marathon-Lauf bei tropischen 30 °C teilzunehmen und auch das - von mir so verhasste - Marschieren blieb mir nicht erspart). Generell sind Peruaner ganz verrückt aufs Marschieren, wer es ihnen gleichtun will: nur zu! Im Nachhinein hat es doch Spaß gemacht.
Die einzige Schule, die keine Uniformpflicht (auch nicht für peruanische Schüler) hat, ist die deutsch-peruanische Schule "Max Uhle" in Arequipa. Paradoxerweise werden deutschsprachige Inbounds von Rotary fast immer automatisch dort angemeldet. In Max Uhle ist alles deutsch: die Sprache (deutsch wird ab Grundschulalter als 1.Fremdsprache intensiv gelehrt), die Lehrer, die Sauberkeit, die Unterrichtsmethoden, die Stifte, selbst der Händetrockner im Bad ist aus Deutschland eingeflogen worden (einen Händetrockner findet man in Peru äußerst selten!). Sogar die typisch peruanische Herzlichkeit unter den Schülern äußert sich bei Max-Uhle-Schülern nur in Maßen, stattdessen zeigt sich deutsche Kühlheit. Also: wer nach Arequipa kommt, sollte nicht auf Max Uhle gehen, oder zumindest nicht ausschließlich! Lieber in eine echt peruanisch-peruanische Schule gehen.
Englisch
Die Bildung der Schüler hängt - leider- ganz stark davon ab, wie wohlhabend die Eltern sind und wieviel sie für die Schulbildung ihrer Kinder bezahlen können.Obwohl Englisch in fast allen Schulen als erste Fremdsprache schon seit vielen Jahren unterrichtet wird, kann man nicht davon ausgehen, sich mit seinem Englisch verständigen zu können. Hier gilt: Wer von einer Eliteschule kommt, spricht in der Regel ein sehr gutes Englisch. Die restlichen 90 % können oft trotz vieler Jahre (schlechten) Unterrichts keinen englischen Satz herausbringen.
Geld
Offizielle Währung in Peru ist der Sol. Jedoch werden Gehälter, Taschengeld, etc. immer in Dollars ausgezahlt. Die Dollars umtauschen kann man in Wechselstuben, vor allem aber auf der Strasse (Vorsicht vor Falschgeld!). Der Soles-Dollar-Kurs schwankt, trotzdem sollte man auf jeden Fall "Preise vergleichen", also gucken, wo der Dollar am günstigsten getauscht wird. Soles zurück in Dollars zu tauschen ist nicht empfehlenswert. Auch beim Rücktausch anderer Währungen (z.b. Brasilianischen Reales) macht man letzendlich mehr Verlust. Also bei Reisen außerhalb von Peru das Geld lieber im entsprechenden Land ausgeben oder gar nicht erst mehr Dollars tauschen, als man sowieso vorraussichtlich brauchen wird.Ein Problem in den vielen kleinen Läden und Geschäften, in denen man in Peru überwiegend einkauft, ist, dass die Händler nie Wechselgeld haben. Dabei muss es nicht einmal um riesige Beträge gehen; oft reicht es schon, mit einem 20-Soles-Schein (etwa 15 DM) ein paar Brötchen bezahlen zu wollen, um von der Verkäuferin ein Kopfschütteln zu ernten und den Spruch: No tenemos vuelto - wir haben kein Wechselgeld. Also: wenn man Geld abhebt oder umtauscht, die großen Scheine (ab 50 Soles) am besten gleich klein machen lassen.
Bank
Die am weitesten verbreitete Bank ist die "Banco de Crédito". Ich würde ein Konto allerdings nicht empfehlen. Besser man bekommt eine Kreditkarte und hebt - nach vorheriger Vereinbarung - Geld vom Konto seiner Eltern ab. Es hängt allerdings auch davon ab, ob man sein Rotary Taschengeld in bar ausgezahlt bekommt oder auf ein Konto
Feilschen
Man kann in Peru bei fast allen Waren oder Leistungen (bei Taxifahrten!) feilschen. Oft nennen die Verkäufer beim Anblick von vermeintlichen Touristen erst einmal horrende Preise. Mit ein bisschen Übung und bestenfalls einem Peruaner an seiner Seite kann man die Preise oft um mehr als die Hälfte drücken. Das gilt eigentlich überall, das heißt in den Touristenorten und - ich kann es nur wieder sagen - bei Taxifahrten. Wer da den Preis nicht runterhandelt, ist selbst schuld.
Claudio Pizarro
Ein ernst gemeinter Rat: Man sollte schon einmal etwas von Claudio Pizarro (Fussball-Bundesliga-Spieler bei Bayern München, ehemals bei Werder Bremen) gehört haben. Er ist so etwas wie ein Idol vieler Jugendlicher, da er den Sprung nach Europa geschafft hat; und der Name Pizarro ist das erste, was den meisten Teenagern neben Hitler spontan zu Deutschland einfällt.
Klopapier
Ein ebenso ernst gemeinter Survival-Tipp: immer Toilettenpapier dabeihaben. Das durchschnittliche öffentliche peruanische Klo hat kein Toilettenpapier, keine Seife und keine Hand- bzw. Papiertücher zum Händetrocknen. Bestenfalls funktioniert die Klospülung und es fließt Wasser aus dem Wasserhahn. Der Zustand der Bäder hängt aber wie so oft davon ab, wo (Klein- oder Großstadt; Touristenort oder Nicht-Touristenort) man sich gerade befindet. In der Regel gilt aber: Auch hier immer auf das Schlimmste gefasst sein!! ;-).
Impfungen
Impfempfehlungen ("Reisemedizinische Information") besorgen, und genug Zeit für die Impfungen einplanen. Ansonsten kann ich keine Pauschalangaben für Impfungen geben, da es auch von der Region abhängt, in die man kommt.
Nicht erhältlich in Peru...
Folgende Dinge gibt es in Peru nicht oder sind nur schwer oder gar nicht erhältlich: Quark und ähnliche Milchprodukte (Creme Fraiche etc; Joghurt gibt es nur begrenzt), frische Milch ("frisch" im deutschen Sinne definiert), Frauenschuhe ab Größe 39 aufwärts, deutschsprachige Lektüre, Tampons (für die Mädels...), Spülmaschinen, Warmwasser (oft nur in einem bestimmten Zeitraum; in manchen Orten wird das Wasser nachts ganz abgestellt), in Kleinstädten: Zeitschriften (in La Merced gab es nur 2-mal die Woche eine lokale Zeitung), Strumpfhosen, (gute) Kosmetik, Corn Flakes und andere Lebensmittel. Mehr fällt mir im Moment nicht ein, man wird es selbst rausfinden... *gg*. Was man dagegen immer bekommt: Mehl, Reis, Coca-Cola (selbst im hintersten Bergdorf), Eier, Klopapier, Telefonkarten und billige Zigaretten...
Kleidung/Temperaturen
In Peru herrschen je nach Region völlig unterschiedliche Temperaturen. Während man in den Dschungelgebieten bei 35 °C schwitzt, kann man in Huaraz (einige Stunden nördlich von Lima) Ski laufen gehen. Wichtig zu wissen ist: In (den durchschnittlichen Haushalten von) Peru kennt man weder Heizung noch Klimaanlagen.In meinen ersten fünf Monaten im Dschungel habe ich nur ein einziges Mal einen Pullover angehabt. In Arequipa dagegen zieht man sich im Winter (Mai, Juni) einfach drei Pullover an und schläft statt mit drei lieber mit fünf Wolldecken. Trotz enormer Sonnenhitze in den wärmeren Jahreszeiten sollte man in Arequipa (ca. 2300 m Höhe) und von der Lage vergleichbaren Städten (Puno, Cusco) tagsüber lieber langärmlig gekleidet rumlaufen und auch nie vergessen, sich mit Sonnencreme mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor einzucremen, da man sich sonst als hellhäutiger "Gringo" in NullKommaNix den Sonnenbrand seines Lebens einfangen kann.
Gastgeschenke
Sehr beliebt bei Mädchen zwischen 0 und 25 Jahren waren kleine Kuscheltier-Schlüsselanhänger von "Nici" (gibt es in fast allen Tiervariationen; erhältlich bei Kaufhof, etc.; ca. 10-12 DM). Gastmütter freuen sich über schöne Deko-Gegenstände oder witzige Küchenaccesoires (z.B. eine Eieruhr im Kuhoutfit, ein schön besticktes Geschirrtuch, etc.), da es solche Art von "Schnickschnack" in Peru nicht gibt. Außerdem: schöne Stifte; für kleinere Gastgeschwister: Sachen von Janosch (Tigerente etc.); Schlüsselanhänger, Duftkerzen, Pins, ... Nicht vergessen, genug "Kleinigkeiten" mitzunehmen, die man Freunden, Eltern von Freunden usw. als kleines Dankeschön "zwischendurch" schenken kann.Was in Peru genauso wenig ankommt wie in Deutschland ist Kitsch!! Also Finger weg!
Warum Peru?!
Es folgt der Versuch, dies in einigen Sätzen zu sagen: Peru ist ein unglaublich aufregendes Land voller Kontraste. Es hat landschaftlich wie kulturell unheimlich viel zu bieten und zu entdecken. Was mich immer wieder aufs Neue beeindruckt hat, ist die Spontaneität und Offenheit der Leute und ihre Aufrichtigkeit. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich längere Zeit in verschiedenen Ecken des Landes aufzuhalten, da man immer wieder auf neue und andere Menschen, Dinge und Umstände treffen wird.
Leider ist Peru als Austauschland im Gegensatz zu anderen südamerikanischen Ländern wie z.B. seine unmittelbaren Nachbarn Chile und Ecuador (noch) weitgehend unüblich. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, sondern im Gegenteil die Herausforderung annehmen, sich doch einmal auf völlig unbekanntes Terrain zu begeben... Es lohnt sich auf jeden Fall!
Leider ist Peru als Austauschland im Gegensatz zu anderen südamerikanischen Ländern wie z.B. seine unmittelbaren Nachbarn Chile und Ecuador (noch) weitgehend unüblich. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, sondern im Gegenteil die Herausforderung annehmen, sich doch einmal auf völlig unbekanntes Terrain zu begeben... Es lohnt sich auf jeden Fall!







